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Die nach Beendigung der Schlacht am 21. Mai 1813 heimkehrenden Bewohner Guttaus fanden ihr komplettes Dorf, einschließlich ihrer Kirche in Schutt und Asche gelegt. Einzig verschont von den wütenden Flammen blieb das aus Stein gebaute Wohngebäude der Schenke "und die am Ende des Dorfes gegen Morgen gelegene Halbische Freigärtner- Nahrung"

 

Die Einwohner, ihres Obdaches beraubt, zerstreuten sich in die nahegelegenen Dörfer und bauten sich Holzhütten, in dene sie sich den Sommer über aufhielten.Dass der Großteil der Ernte durch die hier zuvor aufgeschlagenen Truppenlager vernichtet war, versteht sich von selbst.

 

An gottesdienstliche Versammlungen war in einer solchen Situation vorerst nicht zu denken.

Als wieder etwas Ruhe in das Leben eingekehrt war,die Bevölkerung sich von der größten Not erholt hatte, wurde auf dem im oberen Stock der Schenke (heut "Gasthof Guttau") gelegenem Saal Gottesdienst gehalten. Allerdings fand dieser Gottesdienst nur 14- tägig in Deutscher Sprache statt. Auch die an hohen Fest- und Bußtagen übliche Nachmittagspredigt entfiel.

                                                                                                                                                                        

Erst einige Jahre später, nachdem die Bewohner sich von dem Verlust ihrer Wohn- und Wirtschaftsgebäude, ihrer ganzen Habe etwas erholt hatten, wurde der Bau einer neuen Kirche in Aussicht gestellt.

 

"Unter Mitwirkung der Gräflichen Schall- Riaucour`schen Kollatur und vor allem des Bevollmächtigten derselben, des Kommissionsrats Radisch in Bautzen, der warmen Anteil an der Wiederaufrichtung der hiesigen Kirche betätigte, sowie unter Beitritt des Pfarrers Grützner zu Guttau erging teils an die Gemeinde, teils an auswärtige wohltätige Menschenfreunde ein Aufruf, durch milde Gaben und Beisteuern den hiesigen Gotteshausbau zu fördern"

  

Und so begann man 1816 mit dem Wiederaufbau der Kirche. Im Herbst des gleichen Jahres wurde bereits das Dach und der Turm fertig. Am 21. November war der Bau soweit, dass das einstweilen nur notdürftige eingerichtete Gotteshaus feierlich eingeweiht werden konnte.

 

"Unter Anführung des Pfarrers und Schulmeisters begab sich  die Dorfjugend an die Brösaer Grenze auf dem Wege nach Salga und holte daselbst...die drei neuen Glocken ein... und zog mit den selben unter feierlichem Gesang hier ein, wo die selben sogleich auf den Turm aufgezogen wurden. Aufbald ertönte der feierlich und harmonisch tönende Ruf des neuen Geläutes und lud die schon in Rührung versetzte versammelte Menge zum Dank und Preise...Unter dankbaren Freudentränen der gerührten Gemeinde hielt der Pfarrer Grützner, selbst auch sichtbar bewegt und gerührt eine Einweihungsrede in dem neuen Tempel, der mit so großer Anstrengung wieder aufgebaut und nach langer schmerzlicher Entbehrung wieder zum frommen Gebrauch geöffnet stand."

 

 

Kommissionsrat Radisch schenkte der Gemeinde ein altes Orgelpositiv, welches in Stand gesetzt wurde und von 1817- 1832  den Gesang der Gemeinde begleitete.

 

Erst in den Jahren 1818 und 1819 wurden die Sitze eingebaut- insgesamt 427 Sitzplätze- die soganannten Weibersitze im Schiff und die Männersitze auf der Empore.

 

Unter Pfarrer Johann Gottlieb Beyer, der am 4. Adventssonntag 1822 sein Amt in Guttau antrat, wurde der Altar und der Taufstein errichtet. Nachdem die Kirche innen geweißt, die Bänke und Außenwände gestrichen, die Sakristei gedielt, die Herrschaftliche Emporkirche durch eine Wand verdeckt worden war, erfolget am 12. Oktober 1823 am 20, Sonntag nach Trinitatis die feierlich Weihe der neuerrichteten Kirche.

  

Am Sonntag Rogate, dem 27. Mai 1832 wurde die neue Orgel geweiht, die der Orgel -und Instrumentenbauer Josef Renner aus Bautzen nach Ostern zu bauen Begann.

  

Das Jahr 1848 brachte die langersehnte "Zeitankündigung". Am 25. August dieses Jahres ertönte zum ersten Mal der Stundenschlag der neuen Turmuhr. Zur selben Zeit erhielt der Kirchturm, welcher seinen gelben Anstrich im Laufe der Jahre verloren hatte einen neuen weißen  Anstrich. Wegen der Uhr wurden 2 Fenster, die bisher blind waren, herausgeschnitten und des Schalles wegen mit Jalousien versehen. Auch begann man in diesem Jahr das Gemäuer der Kirche auszuputzen, um schädlichen Witterungseinflüssen vorzubeugen.

  

Die folgenden Jahrzehnte gingen nicht spurlos am Kirchgebäude vorüber. Immer wieder wurde neu geweißt und nötige Reparaturen vorgenommen. So wurde am 14. August 1888 Fahne Stern und Turmknopf "... im neuen Gewande glänzend, letzere versehen mit zwei in einer verlöteten Blechkapsel befindlichen Berichten..." angebracht.

  

"Da Guttau eine wendisch deutsche Parochie  ist, sind in deren Pfarramt seit der Reformation immer Geistliche berufen worden, die im Stande waren, die Haupt- und Abend-mahlsgottesdienste in beiden Sprachen abzuhalten. Dabei wurden die wendischen seit jeher zahlreicher besucht als die deutschen, da von der z. Z. 849 Seelen zählenden Kirchfahrt immer noch 5/6 wendisch spricht. So kommunizieren denn auch noch z. B. im Jahre 1899 von den 1115 Abendmahlsgästen 927 wendisch und nur 188 deutsch und im vergangenen Jahr 1903 unter 1198 Abendmahlsgästen  998 wendisch und 200 deutsch.

Noch sei hier kurz gedacht des im Jahre 1883 zur Erinnerung an die vor 400 Jahren stattgefundene Geburt unseres großen Reformators Dr. Martin Luther gefeierten Festes. Zur Vorfeier wurde am 10. November von 6.00 Uhr abends an ein liturgischer Gottesdienst abgehalten. Bei dieser Abendfeierlichkeit brannte zum ersten mal der neue, nach dem Altar zu hängende Kronleuchter aus Kristallglas mit 5 vergoldeten Kugeln und 12 Sternen, der nach vorher in der gesamten Parochie veranstalteten Sammlung für den Preis von 217 Mk. 20 Pf. ...... bezogen wurde."

 

 

 

Alle Inhalte und Zitate sind entnommen:

Neue Sächsische Kirchengallerie, Die Diöcesen Bautzen und Kamenz, bearbeitet von der geistlichen Diöcese, Verlag von Arwed Strauch, Leipzig

Die Parochie Guttau, bearbeitet von Pfarrer Johann Andreas Mättig


Kirchgemeinden Malschwitz/Guttau und Quatitz