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Aufnahme aus dem Jahr 1897

Für den 20. Januar 1896 wurde der Gemeinderat von Quatitz zu einer Generalversammlung eingeladen. Erster und einziger Punkt auf der Tagesordnung war der Bau einer eigenen Kirche. Im Ergebnis dieser Versammlung wurde das Vorhaben des Kirchenbaues allseitig und einstimmig unter der Bedingung angenommen, dass die Gemeinde Quatitz zukünftig aus der Parochie "Malschwitz" entlassen wird. Die Zeit erschien zur Verwirklichung eines solch hohen Anliegens günstig. Ein nicht näher bezeichneter Personenkreis führte zu dieser Zeit im Raum Quatitz eine Unterschriftensammlung durch und forderte die Bürger zu Beitragszeichnungen bezüglich der Finanzierung des Kirchbaues auf.

                                                                                                                                                                        

Die Initiatoren des Kirchbaues mit Beistand des Pfarrers Immisch zu Göda  wandten sich mit einem Gesuch zwecks Unterstützung "des auf Bildung einer selbständigen Parochie gerichteten Bestrebens" an die königliche Kreishauptmannschaft Bautzen und das ev. Luth. Landeskonsistorium zu Dresden.

Darauf erhielt Quatitz am 31.Januar 1897 die Genehmigung zur Bildung eines eigenen Kirch- und Pfarrsystems. Am 03. März hatte die Konsistorialbehörde zu einer Beratung, an "der alle in der Sache Beteiligten", so auch Vertreter der Kollaturen, der Kirchgemeinden Milkel und Malschwitz sowie der Gemeinden teilnahmen. Die Gemeindevertreter geben ihre Willenserklärung ab, ihre Anträge auf Eintritt in die Parochie aufrecht zu erhalten. So wurde der Umfang der neuzubildenden Parochie festgelegt, die unentgeltliche Überlassung von Baugrund- soweit bereits angezeigt-protokolliert und ein vorläufiger Kostenanschlag erstellt.

Nach der Bereitstellung von Baugrund  und "unentgeltliche Handdienste und Fuhren" aus der Parochie wurde noch 1897 ein breiter Zufahrtsweg von der Dorfstraße zum künftigen Bauplatz angelegt.

 

Am Heiligen Abend 1897 ist der erste Wagen mit Bruchsteinen, mit Kränzen und Girlanden festlich geschmückt und von vielen Quatitzern begleitet, auf die Baustelle gefahren worden.

Zu Beginn des Jahres 1898 erfolgte die Genehmigung der Baupläne und Unterlagen durch das ev.-luth. Landeskonsistorium. Nach erfolgter Ausschreibung wurde am 20. Mai 1898 Baumeister Simon aus Herrnhut unter Oberbauleitung von Prof. Giese aus Dreden die Ausführung des Kirchenbaues in Auftrag gegeben.Baumeister Simon war, wie die Herren des Bauausschusses, ein gebürtiger Sorbe. Dadurch konnten sämtliche Begegnungen und Besprechungen in sorbischer Sprache abgehalten werden.

 

Bereits im Februar 1898 lies man zur Wasserversorgung der Baustelle zwischen der künftigen Kirche und dem Pfarrhaus einen Brunnen graben.

Mit großem Enthusiasmus unterstützt die Parochie das Vorhaben durch die Vorbereitung des Baugrundes, die am 12. April 1898 mit dem ersten Spatenstich begann.

 

 

"Vor einer großen, von Dank und Freude erfüllten Versammlung und im Beisein zahlreicher Gäste und Ehrengäste konnte bereits am 29. Juni 1898 die feierliche Grundsteinlegung vollzogen werden."

 

 

 

Ein viertel Jahr nach der Grundsteinlegung sind die Ortsgemeinden Quatitz, Jeschütz, Kleindubrau und Kronförstchen per Vertrag vom 1. Oktober 1898 durch Auspfarrung aus der Parochie Malschwitz ausgeschieden.

 

Aufgrund der Akkordarbeit und der Unterstützung durch die Parochie konnte bereits am 3. September das Dach und am 29. Oktober 1898 der Turm "gehoben" werden. Das ruhige Herbstwetter und der milde Winter begünstigten das Baugeschehen, so das bereits im Frühjahr mit dem Innenausbau begonnen werden konnte. Am 24. April war der 52 m hohe Turm soweit vollendet, dass der Knopf aufgesetzt werden konnte. 6 Wochen später war die Ankunft der Glocken auf dem Bahnhof in Kleinwelka der nächste  Höhepunkt im Leben der sich bildenden Gemeinde. Ursprünglich geplant war der Kauf eines preiswerten Es- Dur Geläutes. Erst durch zahlreiche Spenden aus der Kirchgemeinde war die Anschaffung eines Des -Dur Geläutes möglich. Die Glockenweihe nahm der Geheime Kirchenrat Keller vor. Der Gemeinde rief er zu:

"Eurer Glocken Beruf! Sie wollen sein, erstens Prediger und Vorsänger, welche die Ehre Gottes verkündigen, zweitens Wächter auf der Zinne, die zum Genuß der Gnaden Gottes laden, drittens, Herolde, die zum Gebet rufen und mit ihrem Klang durch alle frohen und trüben Stunden unseres Lebens uns geleiten."

 

Nach glücklichem Aufzug erklangen die Glocken einzeln und als Geläut noch am selben Tage über die Parochie in die Landschaft hinaus. Albert Römhild, Kantor an der Lutherkirche zu Dresden, würdigte den vollen- bei aller Stärke jedoch nicht schreienden Ton der einzelnen Glocken, sowie den wohltuenden Zusammenklang des reingestimmten Geläutes und die besondere Fülle, welche die ebenfalls rein mitklingenden Obertöne dem Des- Dur Akkord geben.

 

Es war ein Sonntag, als die neue Kirchgemeinde Quatitz ihren ersten Seelsorger - Georg Gustav Säring-am 15. Oktober 1899 herzlich empfing. Er war der erste sorbische Pfarrer der Parochie Quatitz. Der eigentliche Tag der Kirchenweihe war Montag, der 16. Oktober.

Geschrieben steht: "Es war ein Tag, an dem morgens die Sonne goldig am wolkenlosen Himmel aufging und sich anschickte, einen wonnigen Frühherbsttag heraufuführen. Schon früh versammelte sich die Gemeinde und konnte ab 8.00 Uhr in ihr neues Gotteshaus Einzug halten. Mehr und mehr von der aufsteigenden Sonne erhellt, zeigte sich die geschmackvolle, aber bescheiden gehaltene Ausstattung ." Alle 400 Plätze im Schiff und die 180 Plätze auf der Empore waren an diesem Tag besetzt, als mit dem 9. Stundenschlag der Turmuhr der deutschsprachige Weihgottesdienst begann. Auch die Königin der Instrumente- die Orgel mit ihren 17 klingenden Stimmen- die im September 1898 aufgestellt wurde und ein vortreffliches Werk der Firma "Eule" aus Bautzen ist, erklang.

 

Den eigentlichen Höhepunkt gestaltete das Oberhaupt der Oberlausitzer Kirche, Geheimer Kirchenrat Keller, als er mit den Worten: "An welchem Orte ich meines Namens Gedächtnis stiften werde, da will ich zu dir kommen und dich segnen", die Weihe vollzog und das Gotteshaus mit allem, was dazu gehört,  seiner Bestimmung übergab.

 

Um 11.00 Uhr erfolgte der sorbischsprachige Weihgottesdienst. Nachdem Pfarrer Säring vom Geheimen Kirchenrat Keller in sein Amt eingeführt worden war, wurde er von Pfarrer Jacob (Vorsitrzender der sorbischen geistlichen Hauptkonferenz) der sorbischen Gemeinde vorgestellt.

 

 

 

Alle Inhalte und Zitate sind entnommen:

"Einhundert Jahre evangelisch- lutherische Kirche und Kirchgemeinde", Lusatia Verlag Bautzen, Bautzen 1999


Kirchgemeinden Malschwitz/Guttau und Quatitz