Wir über uns
Guttau 6.- 19. Jhd.
Guttau 19. Jhd.
Malschw. bis 19. Jhd
Malschw. bis 1916
Quatitz bis 1890
Quatitz im 20. Jhd.
Name der Kirche
Kirchbau in Quatitz
Geistlicher Impuls
Kinderseite
Gottesdienste
Gemeindeleben
Wissenswertes
Galerie
So erreichen sie uns
Kontakt-Formular
Interessante Links
Zum Ausdrucken
Impressum

Schon im Frühjahr 1905 war nach abgelaufener Garantie der Klöppel einer Glocke gerissen und musste neu beschafft werden.

                                                                                                                                                                        

1913 wurde sowohl die Kirche als auch das Pfarrhaus mit elektrischer Beleuchtung versehen.

 

Im dritten Jahr des 1. Weltkrieges griff die deutsche Rüstungsindustrie nach dem Metall der Kirchenglocken in Deutschland zur Herstellung von Kriegsmaterial. Im Rahmen einer Glockenuntersuchung wurden Maße, Inschriften und bildliche Gestaltung der Glocken abgenommen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Nur kulturhistorisch wertvolle Glocken blieben erhalten. Ansonsten sollte jeweils nur eine Glocke in den Kirchen als Läuteglocke verbleiben.

 

Am 16. August 1917 wurde die wöchentliche Kriegsbetstunde unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme der Gemeinde um 19.00 Uhr in deutsch und um 20 Uhr in sorbisch als Glockenabschiedsfeier abgehalten. Um 21. Uhr setzte das Abschiedsgeläut ein. Zuerst erklang die kleine Glocke der Parentationshalle, dannach in doppelter Länge die kleine und mittlere Glocke des Kirchengeläuts und schließlich das gesamte Dreiergeläut. Nach einer Pause wurde das Läuten in dieser Reihenfolge wiederholt, und am Ende ertönte nocheinmal die Begräbnisglocke.

Tags darauf wurde die kleine und mittlere Kirchenglocke, weithin hörbar, im Glockenstuhl zertrümmert und deren Bruchstücke am 18. August nach Bautzen zur Sammelstelle gebracht. Dabei begleitete die Stimme der großen Glocke den Opfergang, den auch die Bronzeglocke aus dem Turm der Parentationshalle antreten musste.

 

Auch die Orgel blieb nicht verschont. Als Kriegsnotwendiger Rohstoff wurde das Zinn der Orgelpfeifen beschlagnahmt. Den Ausbau der 27 Prospektpfeinen übernahm die Orgelbauanstalt Eule aus Bautzen, die auch die Schöpferin des Instrumentes war. Die leeren Felder im Prosoekt waren laut Anweisung mit grünen Tüchern abzuhängen. Aufgrund der angespannten finanziellen Situation mußten die Quatitzer noch 34 Jahre warten, bis ihre Orgel wieder in "vollem Klang" erklingen konnte.

 

Der 1. Weltkrieg  hatte 85 Männern der Parochie das Leben gekostet. 1924 sollte den Gefallenen ein würdiges Denkmal errichtet werden. Der bitte des Pfarrers an den Gemeinderat Großdubrau, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen, wurde nicht entsprochen. Großdubrau hatte mit 54 Gefallenen den größten Teil der Opfer aller Orte zu beklagen und bereits 1919 ein Denkmal für sie errichtet. Ungeachtet dessen wurde in Quatitz ein schlichtes aber schönes Denkmal errichtet, das am 1. Januar 1925 nach einer Gedenkfeier in der Kirche mit den Worten von Pfarrer Säring geweiht wurde:

 

Ich weihe dieses Mahl zu einem Ehrenmahl für unsere Gefallenen.

Ihnen zur Ehr´ , zu einem Mahnzeichen für die jetzt und künftig Lebenden,

Ihnen zur Lehr`

zu einer Predigt der Steine von der Barmherzigkeit und Treue Gottes-

allem Zweifel daran zur Wehr.

 

Der Posaunenchor intonierte zum Abschluß "Ich hatt` einen Kameraden"

 

2 neue Bronzeglocken wurden angeschaft und nach Begutachtung der Festigkeit des Mauerwerkes für den Glockenstuhl aufgezogen. Am 29. März 1922 erfolgte die Glockenweihe des neuen Geläutes.

 

Schadhafte Dacheindeckung-und Entwässerung, großflächige Schäden am Putz, Verwitterung der Ziffernblätter der Turmuhr und die Werterhaltung des Glockenstuhles machten schon 1927 umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Kirche erforderlich.

 

1936 erhielt der Altarraum noch einmal eine neue Ausmalung.

 

Während des 2. Weltkrieges mußten erneut 2 Glocken geopfert werden. Unterlagen zur Glockenabgabe konnten nicht gefunden werden. Überhaupt erscheinen die Unterlagen zwischen 1933 und 1945 "bereinigt" worden zu sein, denn es ist kaum Material aus dieser Zeit auffindbar gewesen. Über Schäden, die der 2. Weltkrieg in seiner Endphase verursachte und über die Situation der Gemeinde in dieser Zeit schweigen die Akten des Pfarrarchives. Es wird lediglich darüber berichtet, das die "Befreier" das Altargemälde mit Bajonetten attakierten.

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde an der Nordseite des Denkmals eine Inschrift zum Gedenken an die zwischen 1939 und 1945 Gefallenen eingebracht:

 

Christus spricht:

Ich gebe ihnen das ewige Leben und

sie werden nimmermehr umkommen und

niemand wird sie aus meiner Hand reißen

 

Gedenkt der Opfer des zweiten Weltkrieges

 

2 Kriege haben dem ersten und zweiten Geläut in Quatitz die Existens genommen. Erst dem dritten Geläut blieb der Fortbestand bis heut beschieden. Es besteht aus drei Stahlhartgußglocken, die 1949 in Apolda gegossen wurden.

 

Zu Beginn der 70-ger Jahre zeigte die Quatitzer Kirche "das Bild mangelnder Sorge". 1971 befasste sich der Kirchenvorstand in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Landeskirche mit der Notwendigkeit einer umfassenden Gebäudesanierung. 1972 waren die Vorbereitungen für die 1973 beginnenden Baumaßnahmen einschließlich einer Opfergabensammlung, Materialbeschaffung und Organisation von Eigenleistungen getroffen.

 

Am 23. und 24,. Februar begann die Einrüstung des Turmes.  Das Zusammenfügen des handgeschraubten Stahlrohrgerüstes konnte am 2. Märzwochenende mit der Abnahme der Turmkombination vom Kirchturm beendet werden.

Der Turm erhielt ein neues Kupferdach, Knopf und Kreuz eine neue Blattgoldauflage, die Uhr ein neues Werk. Das Kirchendach wurde einschließlich umfassender Zimmermannsarbeiten neu eingedeckt und die Seitenschiffe erhielten Betondachziegel. Der Außenputz wurde komplett und der Innenputz teilweise erneuert. Eine Elektroheizung wurde instaliert.

Die Entfernung des Altarbildes führte damals zu einer nüchternen "Neugestaltung" des Altarraumes. Schließlich erfolgte noch die Innenausmalung.

Die feierliche Neuweihe der Kirche durch Superintendent Arnold aus Bautzen, mit Pfarrer Englert und Pfarrer Feustel als Weiheassistenten wurde am 15. Mai 1977 unter großer Anteilnahme der Gemeinde begangen.

 

Im Zuge der Vorbereitung des 100. Jahrestages der Kirche standen erneut Werteerhaltungsmaßnahmen auf der Tagesordnung des Kirchenvorstandes.Über 20 Jahre waren seit der letzten Sanierung vergangen, die gezeigt haben, dass verschiedene Arbeiten - geschuldet den wirtschaftlichen Bedingungen - damals nicht so ausgeführt worden, wie es erforderlich gewesen wäre.

Als eine der ersten Arbeiten konnten 1996 die vier restaurierten Ziffernblätter einschließlich der 8 Zeiger der Kirchturmuhr wieder angebracht werden. Am 29. September 1997 wurde die Spitzenkombination, bestehend aus Knopf und Kruzifix vom Turm genommen. Am 28. Oktober erfolgte in einer Zusammenkunft des Kirchenvorstandes die Öffnung der Dokumentenkapsel. Sie enthielt sorbischsprachige Dokumente aus der Vorbereitungsphase des Kirchbaus von 1896, eine Urkund vom 26. April 1899-dem Tag an dem die Kapsel erstmalig im Turmknopf hinterlegt worden ist, ferner sorbische und deutsche Zeitungen, Münzen und Fotodokumente von der Einrüstung 1974. Bereits am 14. November 1997 waren Knopf und Kruzifix frisch vergoldet und konnten unter Begleitung von Posaunenklängen wieder auf dem Turm befestigt werden. Die historischen Dokumente, durch zeitgenössisches Material ergänzt sind nun in zwei Kapseln im Turmknopf deponiert.

 

Für die Aufarbeitung des Turmknopfes, die Instandsetzungsarbeiten am Geläut und die Rekonstruktin des Altarretabels mit dem Altargemälde wurden im Vorfeld aus der Gemeinde  ca. 40 000 DM gespendet.

 

Die Kosten für die Komplettsanierung des Bauwerkes sollten gut eine dreiviertel Millionen DM betragen.Ein Bau- Beihilfeantrag an das Regierungspräsidium in Dresden wurde abgelehnt. Im Mai 1998 kam es in Quatitz zu einer Ortsberatung durch die Abteilung Baupflege der ev.-luth. Kirchenamtsstelle und Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege. Daraufhin wurde eine Vorplanung angefertigt, die zwei Bauabschnitte umfasste, nämlich den Turm und das Kirchenhaus.

Zu ihrem Jubiläum hat die Kirche in Quatitz, im Inneren schon renoviert, die Gemeinde im neuen Glanz empfangen. Außen bleibt das Bauwerk noch von der stählernen Gerüstkonstruktion umhüllt.

 

 

 

 

"Das ist kein Makel, künden diese baulichen Aktivitäten doch gerade in diesem Jahr von dem Willen der Gemeinde, die Schwele in das zweite Jahrhundert der Quatitzer Kirche mit einem großen Bauvorhaben zu überschreiten."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Inhalte und Zitate sind entnommen:

 

"Einhundert Jahre evangelisch- lutherische Kirche und Kirchgemeinde", Lusatia Verlag Bautzen, Bautzen 1999

Kirchgemeinden Malschwitz/Guttau und Quatitz